UG in Deutschland: selbst gründen oder eine fertige Gesellschaft kaufen? Wo Zeit und Geld verloren gehen

Auf den ersten Blick scheint es, als ließe sich ein Unternehmen in Deutschland einfach Schritt für Schritt gründen. In der Realität geht es aber nicht nur um eine Anmeldung, sondern um eine Kette aus Abstimmungen, Genehmigungen und oft auch Rückfragen von Behörden. Genau hier verliert man schnell Wochen oder Monate.
Deshalb geht es nicht darum, was einfacher ist, sondern welcher Weg Sie wirklich schneller zum laufenden Geschäft bringt und wo Risiken entstehen.
Die UG gilt oft als schnelle Lösung für den Start. Tatsächlich sorgt die Rechtsform allein jedoch für keinen Zeitgewinn. Entscheidend ist, wie viele Schritte Sie durchlaufen und wie gut Ihre Unterlagen vorbereitet sind.

Wie sieht die Gründung einer UG in der Praxis aus?

Die Gründung gliedert sich in drei zentrale Schritte: Notar, Bank und Handelsregister.

Jeder dieser Schritte ist mit Prüfungen verbunden. Rückfragen, Nachbesserungen und teilweise auch Ablehnungen sind keine Ausnahme, sondern gehören zum Prozess.
Bereits beim Notar entscheidet sich, wie reibungslos die weiteren Schritte verlaufen. Eine unklare Gesellschafterstruktur oder ein unpräzise formulierter Unternehmensgegenstand führen schnell zu Korrekturen und Verzögerungen.
Zusätzlich werden Aspekte wie Geldwäschevorgaben, Herkunft und Struktur der Gesellschafter sowie der Wohnsitz des Geschäftsführers genau geprüft.

Der zeitaufwendigste Schritt ist in der Praxis die Kontoeröffnung bei der Bank.
Der Prozess umfasst in der Regel:
  • Anforderung von Unterlagen
  • Rückfragen zur geplanten Geschäftstätigkeit
  • Verifizierung des Geschäftsführers und weiterer beteiligter Personen
  • anschließende Prüfung und Entscheidung der Bank
Ablehnungen durch Banken und die Suche nach Alternativen stellen für viele Gründer die größte Hürde dar. Die Suche nach einer passenden Bank und die Kontoeröffnung können nicht selten mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Nach der Einreichung beim Handelsregister beginnt die formale Prüfung. Auch hier kommt es häufig zu Rückfragen seitens des Registergerichts. Diese betreffen beispielsweise den Unternehmensgegenstand, die Gesellschaftsstruktur oder die Angaben zum Geschäftsführer.
In der Folge werden Unterlagen zur Überarbeitung zurückgegeben. Das bedeutet erneute Abstimmung mit dem Notar, zusätzlichen Zeitaufwand und weitere Kosten.

Obwohl die formale Eintragungsfrist oft mit 1 bis 3 Wochen angegeben wird, dauert der Prozess in der Praxis aufgrund solcher Rückläufer nicht selten bis zu drei Monate.
Realistische Zeiträume bei der Gründung einer neuen Gesellschaft:

  • Vorbereitung der Unterlagen und Notartermin: etwa 2–3 Wochen
  • Bankprüfung und Kontoeröffnung: zusätzlich 4–8 Wochen
  • Gesamtzeit bis zur operativen Nutzung: meist 8–12 Wochen
  • bei mehrfachen Ablehnungen sind auch 4–5 Monate keine Seltenheit

Das ist keine Ausnahme, sondern entspricht der üblichen Praxis in Deutschland.

Was ändert sich beim Kauf einer UG?

Ein Teil dieser Schritte entfällt beim Kauf einer UG. Die Gesellschaft ist bereits eingetragen, eine Prüfung durch das Handelsregister ist nicht mehr erforderlich.

Der entscheidende Punkt ist jedoch das vorhandene Bankkonto mit eingezahltem Stammkapital. Besteht ein aktives Konto, hat die Gesellschaft die Bankprüfung bereits durchlaufen. In diesem Fall erfolgt in der Regel nur die Aktualisierung der Daten des neuen Gesellschafters bzw. Geschäftsführers.

Selbst wenn die Bank eine erneute Prüfung vornimmt, ist dieser Prozess deutlich schneller als eine vollständige Kontoeröffnung von Grund auf. In der Praxis ist ein Start oft bereits am Tag der Übernahme möglich. Die formalen Schritte mit der Bank werden innerhalb weniger Tage abgeschlossen.

Risiken beim Kauf einer Gesellschaft mit Historie
Ein zentraler Punkt, der häufig unterschätzt wird:
Eine UG mit Historie (Mantelgesellschaft) kann enthalten:
  • frühere Geschäftstätigkeit
  • bestehende vertragliche Verpflichtungen
  • offene Verbindlichkeiten
  • Reputationsrisiken
Auch wenn die Gesellschaft formal als inaktiv gilt, lässt sich die Vergangenheit nicht in allen Fällen vollständig prüfen.

Zusätzlich können auftreten:
  • Rückfragen von Bank oder Finanzamt zur bisherigen Tätigkeit
  • erneute Prüfungen trotz bestehendem Konto
  • Einschränkungen beim Bankkonto nach dem Gesellschafterwechsel

Das bedeutet: Statt einer Beschleunigung kann es nach dem Kauf zu zusätzlichen Prüfungen und Verzögerungen kommen.
Der sichere Weg ist der Kauf einer sogenannten Vorratsgesellschaft, also einer Gesellschaft ohne Historie, die ausschließlich zum Weiterverkauf gegründet wurde.

Das bedeutet konkret: Es gab keine operative Tätigkeit, keine bestehenden Verträge, keine Verpflichtungen und die Bonitätshistorie ist sauber. In diesem Fall erhalten Sie eine neue, wirtschaftlich unbelastete Gesellschaft mit bestehendem Bankkonto und eingezahltem Stammkapital.

Beim Kauf einer Mantelgesellschaft, also einer Gesellschaft mit vorheriger Geschäftstätigkeit, besteht hingegen das Risiko, bestehende Verbindlichkeiten, vertragliche Verpflichtungen, offene Steuern oder andere schwer nachvollziehbare Altlasten zu übernehmen.

Neben den Risiken spielt vor allem der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Bei einer Neugründung verlieren Sie in der Praxis oft mehrere Monate. In dieser Phase findet keine operative Tätigkeit statt und es werden keine Umsätze generiert.

Der Kauf einer sauberen UG verkürzt diesen Zeitraum erheblich. Sie können deutlich schneller starten und früher Umsätze erzielen. In vielen Fällen kompensiert dieser Zeitgewinn bereits die Kosten für den Kauf der Gesellschaft.

Der Unterschied zwischen Kauf und Neugründung liegt nicht in der Rechtsform.

Der entscheidende Unterschied liegt im Zeitaufwand und in der rechtlichen Ausgangssituation. Bei einer bereits bestehenden Gesellschaft sind die wesentlichen bürokratischen und formalen Schritte bereits durchlaufen.
Der Kauf verkürzt diesen Weg erheblich, jedoch nur unter einer Voraussetzung: Die Gesellschaft muss ohne Historie sein. Nur in diesem Fall übernehmen Sie keine Altlasten und profitieren tatsächlich von einem Zeitvorteil.

Autor des Beitrags: Oasis Consulting UG
Erwerb einer bereits gegründeten UG (haftungsbeschränkt), die kurzfristig auf einen neuen Eigentümer übertragen werden kann.

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